Leidenschaft Genossenschaft –

Zukunft der Württemberger Weingärtnergenossenschaften. Das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr der Genossenschaften 2012 nehmen die Württembergischen Weingärtnergenossenschaften zum Anlass, auf der diesjährigen ProWein das Erfolgsmodell Genossenschaft, die Kraft und Leistungsfähigkeit der genossenschaftlichen Idee vorzustellen. Moderiert von Rudolf Knoll, diskutieren Vertreter der Württemberger Jungwinzer über die aktuelle Situation, die Zukunft und ihre Pläne innerhalb ihrer Genossenschaften. Die Veranstaltung „Leidenschaft Genossenschaft“ findet am 06. März um 11.00 Uhr am Stand des DWI (Halle 4, G86) statt.

Weingärtnernachwuchs auf Erfolgskurs

Am Beispiel der erfolgreichen Jungwinzerprojekte der Württembergischen Weingärtnergenossenschaften zeigt sich, dass das genossenschaftliche Geschäftsmodell in Zeiten wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen auch für die junge Generation der Württemberger Weingärtner immer wichtiger wird. Mit großer Leidenschaft und Passion haben die bestens ausgebildeten Nachwuchskräfte und jungen Winzer einzelner Genossenschaften eigene Projekte ins Leben gerufen und erstellen spezielle Profilweine – mit größtem Erfolg. Dass sie dabei ihre eigenen Erfahrungen aus dem Studium, sowie die Erkenntnisse aus internationalen Praktika und mehrmonatigen Aufenthalten in Übersee einfließen lassen, ist ein zusätzlicher Pluspunkt für die Projekte. Entsprechend fällt die Bilanz überall positiv aus: Die Jungwinzer sorgen für höchsten Qualitätsanspruch und tragen mit ihrer Kreativität und ihren Innovationen erheblich zur Weiterentwicklung der Betriebe bei.

„Gemeinsam sind wir stark“

Das genossenschaftliche Gemeinschaftsprinzip kommt ihnen und ihren Visionen für die eigene berufliche Zukunft zugute. Susanne Reiner, Sprecherin der Vision Heuchelberg, dem Jungwinzerprojekt der Heuchelberg Weingärtner eG, bringt es auf den Punkt: „Der genossenschaftliche Grundgedanke ist für mich bis heute ein starkes Leitbild, oder anders formuliert: ‚Gemeinsam sind wir stark‘. Durch dieses Gemeinschaftsprinzip sind wir besser in der Lage, die kommenden Herausforderungen anzunehmen und dann auch zu bestehen.“ Sie erklärt weiterhin, dass die jeweilige Stärke der einzelnen Mitglieder, der große Rebflächenpool in hochwertigen Lagen und der Wissensaustausch unter den schon seit Generationen bestehenden Mitgliedsbetrieben für sie die drei wichtigsten Komponenten einer gut funktionierenden Genossenschaft bilden.

Ähnlich sieht es auch Markus Eberle, Mitglied des neu ins Leben gerufenen Jungwinzerprojekts der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg eG. Für ihn ist es das geballte Know-how, von dem alle in der genossenschaftlichen Struktur profitieren: „Es gibt hier für jeden Bereich Spezialisten, sei es in der Traubenproduktion, der Kellerwirtschaft oder der Vermarktung der Produkte. Außerdem steckt da auch eine enorme Vielfalt dahinter. Denn – viele Köpfe haben mehr, beziehungsweise unterschiedliche Ideen, die uns insgesamt als Gemeinschaft voran bringen.“ Außerdem könne sich durch die Spezialisierungen auf Teilbereiche jeder in der Genossenschaft nach seinen jeweiligen Begabungen und Neigungen einbringen, ergänzt Christoph Ehmer, Mitglied des Projekts vinitiative der Lauffener Weingärtner eG: „Auf diese Weise werden Wissen und Erfahrungen optimal gebündelt. Das wäre nicht so gut möglich, wenn jeder von uns sein eigenes Ding allein durchziehen würde.“ Neben dem „gemeinschaftlich an einem Strang ziehen“, wie es Christoph Ehmer zusammenfasst, ist es für die junge Generation der Nachwuchs-Weingärtner in Württemberg mindestens genauso wichtig, über die Geschicke der Genossenschaft mit einer eigenen Stimme mitentscheiden zu dürfen. „Dadurch, dass die Genossenschaft jedem gehört, haben wir mit unserer Stimme auch Einfluss auf die Ausrichtung des Betriebs, die Qualitätsrichtlinien und Ausstattung der Produktion. Das steigert nicht nur die Weinqualität insgesamt sondern spornt uns auch gleichzeitig an“, erläutert Markus Eberle.

Württemberger Jungwinzerprojekte sichern die Zukunft

Das Vertrauen der Württemberger Weingärtnergenossenschaften in das Potenzial der Jungwinzerprojekte ist groß und berechtigt, wie die Erfolgsmeldungen der letzten Jahre zeigen. Das Konzept, den Nachwuchs weitestgehend frei entscheiden und handeln zu lassen, geht auf: „Da wir für unser Jungwinzerprojekt weitestgehend freie Hand bekommen, ziehen alle jungen Wengerter hier an einem Strang und sind stolz darauf, ein eigenes Produkt auf dem Markt präsentieren zu dürfen“, freut sich Markus Eberle über das Vertrauen, das dem Heilbronner Jungwinzerprojekt seitens der „alten Hasen“ entgegengebracht wird. Für Christoph Ehmer ist „Mitgestaltung“ das entscheidende Stichwort: „Wir als vinitiative haben es uns auch zum Ziel gesetzt, als Teil der Lauffener Weingärtner, diese aktiv mitzugestalten. Schließlich sind wir ja auch die Zukunft der Genossenschaft.“ Dem pflichtet auch Susanne Reiner bei: „Die junge, nachrückende Generation wird somit schon jetzt in das Genossenschaftsprinzip eingebunden und kann ihre Ansichten und Fähigkeiten gebündelt im großen Ganzen einbringen.“

Württemberger Weingärtnergenossenschaften im Wandel der Zeit

Württemberg hat viel zu bieten. Dass hier aber auch die älteste und heute noch bestehende Weingärtnergenossenschaft Deutschlands und wahrscheinlich auch der Welt existiert, ist weniger bekannt. Im Jahr 1855 ging aus dem Neckarsulmer Weingärtnerverein die „Association für Bereitung und Verwertung des Weinmostes“ hervor, später Weingärtnergenossenschaft Neckarsulm-Gundelsheim eG (seit 2007 Teil der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg eG). Ziel dieser neuen Genossenschaft war das gemeinschaftliche Keltern und Vermarkten ihrer Erzeugnisse. Der Grundgedanke war, sich nicht länger dem Preisdiktat der Weinaufkäufer zu unterwerfen, die die Preise für den Wein oft willkürlich festsetzten. Der Siegeszug der Württembergischen Weingärtnergenossenschaften begann.

Heute sind die Württembergischen Weingärtnergenossenschaften mit einem genossenschaftlichen Anteil der Ertragsrebfläche von ca. 74 Prozent für knapp drei Viertel des Weinbaus in der Region verantwortlich. Entgegen dem hartnäckigen Vorurteil, dass damit einfach nur die eigene Existenzsicherung gewahrt bleibe, spricht diese stabile Entwicklung vielmehr für das damit verbundene Qualitätsversprechen. Die einzelnen Mitglieder sind nicht nur „Traubenerzeuger“, sie engagieren sich auch innerhalb ihrer Genossenschaft und sind teilweise seit Generationen mit viel Herzblut dabei. Kleinen und Kleinstbetrieben wird durch die genossenschaftliche Struktur überhaupt erst ermöglicht, ihre Betriebe existenzsichernd zu bewirtschaften. Denkt man dabei an die Herausforderung der mit viel Hingabe und Leidenschaft zu pflegenden Steillagen in Württemberg, geht es dabei weniger ums Geldverdienen, als vielmehr um die Qualität im Glas. Entsprechend zeigen auch die jüngsten internationalen Erfolge der Württemberger Weine, dass das genossenschaftliche Prinzip ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell ist.

Bedingt durch extreme Wetterkapriolen der letzten Jahre und zwei kleine Weinjahrgänge in Folge müssen sich die 51 Genossenschaften weiteren nötigen Strukturveränderungen stellen, um dem Weinbau in Württemberg eine gute Zukunft zu ermöglichen. Fusionen, wie zuletzt der Zusammenschluss von Löwenstein, Eberstadt, Eschenau und Willsbach unter dem Dach der „Winzer vom Weinsberger Tal“ oder die Verbindung von Heilbronn und Flein-Talheim zur größten Ortsgenossenschaft in Württemberg zeigen, wie sich die Genossenschaften den veränderten Marktgegebenheiten anpassen und dabei wettbewerbsfähig bleiben. Auch Gerhard Roßwog, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes, betont: „Strukturveränderungen sind notwendig, damit der Weinbau in Württemberg eine gute Zukunft hat.“ Bei der Weiterentwicklung der Unternehmensstrukturen müssten die Konzepte für große und kleine Weingärtnergenossenschaften aber unterschiedlich ausfallen: „Fusion ist kein Patentrezept.“ Ausgangspunkt müsse die Frage nach der Strategie sein. Wer seinen Absatzschwerpunkt bei Direktkunden oder in der Gastronomie habe, müsse seine Nische suchen und ausbauen. Wer den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) bediene, müsse große Partien zu günstigen Kosten in die Regale des Handels bringen können, so Roßwog weiter.

Genossenschaften liegen im Trend

Die Idee, dass Menschen und Unternehmen Genossenschaften gründen, weil sie auf diese Weise gemeinsam leichter Ziele erreichen und betriebliche Herausforderungen bewältigen können, die für den Einzelnen zu groß oder zu komplex wären, ist nicht neu. In Deutschland gibt es sie dank der beiden Genossenschaftspioniere und Gründungsväter Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Dennoch hat die genossenschaftliche Idee nicht an Kraft und Bedeutung verloren – ganz im Gegenteil: Der Neugründungsboom der letzten Jahre spricht für die eG (eingetragene Genossenschaft) als demokratische Unternehmensform, die nicht nur selbstständiges unternehmerisches Handeln ermöglicht, sondern auch von sozialer Verantwortung geprägt ist. Allein in Baden-Württemberg stieg die Zahl der Gründungen 2011 auf weit über 50 neue Genossenschaften an, in den Vorjahren waren es 42 bzw. 34 Neugründungen. Oder anders ausgedrückt: Jeder dritte Einwohner von Baden-Württemberg ist heute Mitglied einer Genossenschaft.

Das Internationale Jahr der Genossenschaften 2012

Die anhaltende Erfolgsgeschichte des Geschäftsmodells Genossenschaft hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen dazu veranlasst, 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften auszurufen. Mit dieser Entscheidung wird nicht zuletzt die herausragende Rolle der Genossenschaften in Entwicklungs- und Schwellenländern gewürdigt, die armen und benachteiligten Menschen einen besseren Zugang zu Märkten und Dienstleistungen ermöglichen und damit von großer Bedeutung für die Zivilgesellschaft sind und bleiben.


Über die Württemberger Weingärtner

Eine abwechslungsreiche Landschaft und eine reichhaltige Rebsortenvielfalt kennzeichnen das Weinland Württemberg. Von den unterschiedlichen Burgunder-Sorten wie Schwarzriesling oder Samtrot über die Spezialitäten Trollinger und Lemberger bis zu Acolon und ausgesuchten Cuvées erstreckt sich die Württemberger Rotweinwelt. Unter den Weißen findet man neben den bekannten Sorten Riesling, Silvaner, Müller-Thurgau und Gewürztraminer auch weiße Burgundersorten sowie den beliebten Kerner. Mit ca. 11.800 ha Rebfläche ist Württemberg das viertgrößte Weinbaugebiet Deutschlands und das mit dem höchsten Rotweinanteil. Die jährliche Gesamterzeugung beträgt ca. 110 Millionen Liter. 41 rechtlich und wirtschaftlich selbstständige Weingärtnergenossenschaften und eine Zentralgenossenschaft liefern jährlich Spitzen-Erzeugnisse von Könnern für Kenner. www.weinheimat-wuerttemberg.de

Für weitere Informationen und Bildmaterial wenden Sie sich gerne an:

Werbegemeinschaft Württembergischer Weingärtnergenossenschaften eG
Ulrich-M. Breutner, Dipl. oec., Vorstandssprecher
Raiffeisenstraße 6, 71696 Möglingen
Tel.: 07141/24 46-14
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